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Sonnenschutzmittel

Bearbeitet von: Ansgar Behler   

Bezeichnung für Lichtschutzmittel, die für den Schutz der menschlichen Haut gegenüber schädigenden Einflüssen der direkten und indirekten Strahlung, die für Sonnenbrand, Hautkrebs und Hautalterung verantwortlich gemacht wird, eingesetzt werden.

Die für die Hautbräunung verantwortliche Ultraviolettstrahlung der Sonne unterteilt man in die Abschnitte UV-C (Wellenlängen 200–280 nm), UV-B (280–320 nm) und UV-A (320–400 nm). Die Intensität der wirksamen Strahlung ist von der geographischen Lage, von klimatischen Bedingungen (Schneereflexion), Grad der Bewölkung und Luftverunreinigungen abhängig. Die auf die Erdoberfläche auftreffende Sonnenstrahlung schwankt in der Zusammensetzung sehr stark und kann sich beispielhaft wie folgt zusammensetzen: 0,4 % UV-B, 5,6 % UV-A, 52 % sichtbares Licht (VIS) und 42 % Infrarot (IR). Die UV-C-Strahlung wird in der Ozon-Schicht der Erdatmosphäre absorbiert und hat daher für den kosmetischen Sonnenschutz keine Bedeutung[1]. Durch Ozon-Abbau ergeben sich allerdings Löcher in dieser schützenden Schicht (Ozon-Loch), was zu einer höheren UV-B-Strahlungsintensität auf der Erde führt (siehe auch Ozon-Schicht).

Die Pigmentierung (Bräunung) normaler Haut (zu den unterschiedlichen Hauttypen siehe Ultraviolettstrahlung) unter dem Einfluss der Sonnenstrahlung, d. h. die Bildung von Melaninen, wird durch UV-B- und UV-A-Strahlen unterschiedlich beeinflusst. Die langwelligen UV-A-Strahlen führen zu einer Verfärbung der in der Epidermis bereits vorhandenen Melanin-Körper (direkte Pigmentierung), ohne dass sichtbare schädigende Einflüsse, wie Sonnenbrand, zu erkennen sind. Spätschäden wie Hautalterung, Hautkrebs oder DNA-Schädigung sind nicht direkt erkennbar und können nicht ausgeschlossen werden. Im Gegensatz dazu bewirkt die kurzwellige UV-B-Strahlung die Entstehung von sogenanntem Spätpigment (indirekte Pigmentierung) durch Neubildung von Melanin-Körpern. Ehe jedoch das (schützende) Pigment gebildet ist, unterliegt die Haut der Einwirkung der ungefilterten Strahlung, die – je nach Expositionsdauer – zur Bildung von Hautrötungen (Erythemen), Hautentzündungen (Sonnenbrand) und gar Brandblasen führen kann.

Moderne Sonnenschutzmittel enthalten UV-Absorber, die die schädlichen UV-B- und UV-A-Strahlen reduzieren und somit die Haut schützen. Der Einsatz (Struktur, maximale Konzentration, Einschränkungen und Warnhinweise) der UV-Absorber für kosmetische Sonnenschutzmittel wird durch die EG-Kosmetik-Richtlinie 76/768/EWG[2] (Anhang VII) bzw. durch die daraus abgeleitete Kosmetik-Verordnung gesetzlich geregelt. Es ist mittlerweile unzulässig, Sonnenschutzmittel als Sunblocker zu deklarieren, da die UV-Strahlen durch die UV-Absorber nicht vollständig „geblockt“ (neutralisiert) werden.

Sonnenschutzmittel werden als Öle, flüssige bis cremeförmige Emulsionen, Gelees, Stifte, Sprays und Schäume angeboten und loben einen Lichtschutzfaktor von 6 bis 50+ aus, der Bereiche für niedrigen, mittleren, hohen und sehr hohen Schutz beschreibt (siehe dort). Die Prüfung erfolgt gemäß dem aktuellen Stand der „International Sun Protection Factor Test Method“ der COLIPA (Dachverband der europäischen Kosmetikindustrie).

Darüber hinaus wird ein zusätzlicher UV-A-Schutzfaktor ausgewiesen (vergleiche UV-Absorber). Er muss einen Wert erreichen, der mindestens einen Drittel des gemessenen Lichtschutzfaktors ausmacht. Als Methode für die UV-A-Schutzfaktorbestimmung steht ebenfalls eine COLIPA-Methode zur Verfügung.

Sonnenschutzmittel dürfen als wasserfest bezeichnet werden, wenn der ermittelte Lichtschutzfaktor nach „Wässerung“ unter standardisierten Testbedingungen >50 % des Ausgangslichtschutzfaktors ist. Zur Zeit erfolgt die Bestimmung anhand der COLIPA-Leitlinie „Guideline for Evaluating Sun Product Water Resistance“ (2005) nach der „Whirlpool-Methode“[3]. Die Auslobung erfolgt analog der COLIPA-Empfehlung Nr. 16 (siehe Literatur[4]).

Entsprechend der EU-Empfehlungen[5] vom 22.09.2006 enthalten die Etiketten von Sonnenschutzmitteln folgende Anwendungshinweise:

1. Intensive Mittagssonne vermeiden.

2. Vor dem Sonnen auftragen.

3. Mehrfach auftragen, um den Lichtschutz aufrecht zu erhalten, insbesondere nach dem Aufenthalt im Wasser.

4. Sonnenschutzmittel großzügig auftragen. Geringe Auftragsmengen reduzieren die Schutzleistung.

5. Babys und Kleinkinder vor direkter Sonneneinstrahlung schützen.

6. Für Babys und Kleinkinder schützende Kleidung sowie Sonnenschutzmittel mit hohem Lichtschutzfaktor (>25) verwenden.

7. Auch Sonnenschutzmittel mit hohem Lichtschutzfaktor bieten keinen vollständigen Schutz vor UV-Strahlen.

Literatur: 
[1] Umbach, W., Hrsg., Kosmetik und Hygiene, 3. Aufl.; Wiley-VCH: Weinheim, (2004), S. 157–158
[2] Richtlinie 76/768/EWG des Rates vom 27.07.1976 zur Angleichung der Rechtsvorschriften der Mitgliedstaaten über kosmetische Mittel (Amtsblatt der EU Nr. L 262, S. 169–200); http://eur-lex.europa.eu/LexUriServ/LexUriServ.do?uri=CELEX:31976L0768:DE:NOT [Prüfdatum 14.05.2012]
[3] The European Cosmetic Toiletry and Perfumery Association (COLIPA), Hrsg., Guideline for Evaluating Sun Product Water Resistance, COLIPA: Brüssel, (2005); https://www.cosmeticseurope.eu/files/7914/6407/7400/... [Prüfdatum 27.01.2017]
[4] The European Cosmetic Toiletry and Perfumery Association (COLIPA), Hrsg., COLIPA Recommendation No. 16: Water Resistance Labelling, COLIPA: Brüssel, (2005)
[5] Empfehlung 2006/647/EG der Kommission vom 22.09.2006 über die Wirksamkeit von Sonnenschutzmitteln und diesbezügliche Herstellerangaben (Amtsblatt der EU Nr. L 265, S. 39); http://eur-lex.europa.eu/LexUriServ/LexUriServ.do?uri=CELEX:32006H0647:DE:NOT [Prüfdatum 14.05.2012]
Klebon, B., In Geschichte der Deutschen Gesellschaft für wissenschaftliche und angewandte Kosmetik e. V., 17. DGK-Symposium, Hamburg, 2007
Übersetzungen:
Esun-screen products, sun protection products
Fproduits antisolaires
Iprodotto antisolare
Sproductos antisolares
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